Ich will kein Influencer sein.

Was lange gärt, muss endlich raus. Fast ein Jahr ist seit dem letzten Beitrag auf diesem Blog vergangen. Gründe dafür gab es viele. Da ist zum einen die Geburt unseres zweiten Kindes, die meine zeitlichen und mentalen Kapazitäten extrem verschoben hat. Da ist auch mein Job als Illustratorin und Comiczeichnerin, der Ende 2016 unglaublich an Fahrt aufgenommen hat und mich in die glückliche Lage versetzt, durchgehend gut beschäftigt zu sein. Da ist allerdings auch der stille Unmut über die Entwicklung des Blogs und der Bloglandschaft an sich, in der ich mich schon länger nicht mehr wirklich heimisch gefühlt habe.

Sind die Influencer Schuld daran?
Natürlich nicht. Wobei mir schon das Wort an sich gehörig gegen den Strich geht. Ich für meinen Teil will kein Influencer sein. Ich will nicht gezwungen sein, Content zu liefern und um jeden Preis zu wachsen, um für Geldgeber als Dienstleister attraktiv zu bleiben. Ich will niemanden beeinflussen, kein Teil einer großen Maschinerie sein, die sich um Konsum im Meinungsmäntelchen dreht.

Ich war lange Zeit erschlagen und übersättigt von diesem Markt. Vom ewig gleichen Kreislauf der Neuheiten, die keine Neuheiten sind. Denn seien wir ehrlich, echte Innovationen mögen wir alle. Doch die sind eben selten. Ich war genervt von Drittanbietern wie Instagram, die natürlich hauptsächlich ihren eigenen Profit im Auge haben und auf deinen Content scheißen. Followerkauf, Insta-Loop-Gewinnspiele, Frust. Viel Frust, der einem von allen Seiten entgegen schlägt. Das macht doch irgendwann gar keinen Spaß mehr.

Mir geht es um guten Content, um Begeisterung, Inspiration. Und ja, ich sehe einen deutlichen Unterschied zwischen Inspiration und Einflussnahme. Inspiration drängt dich nicht in eine Richtung, flüstert dir nicht ein dies und das tun, kaufen, tragen zu müssen um mindestens so cool zu sein wie ich. Inspiration begeistert und regt an, das Gesehene aufzugreifen und auf deine ganz eigene Art und Weise umzusetzen. Inspiration macht Mut und Lust, du selbst zu sein. Der Grad zwischen Inspiration und "Influence" ist schmal. Einige Leute können perfekt darauf balancieren, treffen den richtigen Ton, ohne sich selbst komplett aufzugeben. Dann klappt das auch mit der Integrität. Zu mir passt das nicht.

Ich habe gelernt, dass ich für mich persönlich klare Grenzen brauche. Auf Honorarbasis für Corporate Blogs, Magazine etc. schreiben? Ja. Advertorials oder bezahlte Instagram Postings im Rahmen meines eigenen Blogs? Nein. PR Samples? Kann sein. Ja. Wenn es passt. Kurzum, ich habe für mich beschlossen, diese geschäftliche Seite des Bloggens aufzugeben. Das funktioniert für mich einfach nicht. Also nehme ich den Druck raus und sage Danke. Danke an alle Marken, die mich über lange Jahre begleitet haben. Die mich überzeugt haben und mir als Herz gewachsen sind. Danke an all die wunderbaren Menschen - Leser, Blogger, PR-Mitarbeiter - die die letzten Jahre unglaublich bereichert haben. Ihr seid der wahre Mehrwert, den ich aus dieser Zeit mitnehme.

Übrigens, das hier ist kein Influencer-Bashing. Es gibt diesen Markt und es gibt diesen Job, der vielen Menschen großartige Möglichkeiten eröffnet. Einige machen ihn sehr, sehr gut und schaffen es, auf der hellen Seite des Influencer Marketings zu bleiben. Letzten Endes entscheidest allein du, welche Inhalte du aus welchen Gründen konsumierst. Kritisch und offen zu bleiben ist sicher hilfreich dabei.

Ich persönlich brauche das für mich nicht mehr. Die Kirschvogelkantine ist meine Marke. Illustration mein "Business" und meine große Liebe. Die Verbindung aus Wissenschaft und Kunst mein "Unique Selling Point". Darüber hinaus mag ich weiterhin Beauty, Lifestyle und Fashion, begeistere mich für Nachhaltigkeit und Naturkosmetik. Allein weil es mir Spaß macht - was für ein Luxus. Wenn es dir genauso geht, dann lade ich dich herzlich ein, mir weiterhin zu folgen. Auf Twitter, Facebook, Instagram oder hier im Blog. Lass uns gemeinsam eine gute Zeit haben. So wie früher.

Kommentare:

  1. Danke!
    Du sprichst mir so aus der Seele.

    Seit vielen Tagen überlege ich schon, ob ich über sowas posten soll oder nicht - spinne mir schon gedanklich ein paar Phrasen zusammen, aber bisher hat es keine davon in eine schriftliche Form gebracht.

    Ich habe schon vor langer Zeit beschlossen, dass ich "für mich" blogge und nicht für die anderen.
    Wenn es jemanden interessiert und gefällt freu ich mich natürlich mega darüber, aber ich erwarte mittlerweile einfach keine (großen) Reaktionen mehr.
    In der breiten Masse an Blogs ist es heutzutage eh schwer geworden "dabei" zu bleiben.

    Ich blogge wann und worauf ich Lust habe - dieser ständige Druck, dass man bis Tag X Y fertig haben muss, ist es mir absolut nicht wert.
    Vor allem geht so einfach der Spaß an der Sache verloren.

    Klar, Geld mit sowas verdienen wär schon cool, aber das wäre nicht so richtig "ich".

    Ich überlege zwar auch schon seit längerem, wie ich nebenbei ein wenig Geld verdienen könnte (auf 400/450€ Basis) - online - da kommen solche Gedanken auch immer wieder auf. Aber so richtig eine Eingebung hatte ich noch nicht.
    Mein Blog ist meine "Spielewiese" und da haben solche "Influencersachen" nichts zu suchen.

    Klar, ich schreibe auch furchtbar gerne Reviews, aber die sind zu 99% ohne Verdienst - ich freu mich einfach schon allein darüber, wenn mir ein Produkt zur Verfügung gestellt wird und ich es kostenlos testen darf. Den Luxus hat nicht jeder und nicht überall.

    Die "Berufsblogger" sind auf "solche Leute" ja leider nicht so gut zu sprechen - aber nicht jeder ist halt auf das große Geld aus und so...


    Puh, das war jetzt ganz schön viel Text.. :'D
    Aber ich musste grad einfach meinen Senf dazu da lassen!

    (hab den Link grad auf Twitter gesehen, aber ich denke, ich folg dir jetzt auch "richtig" - kannte deinen Blog vorher noch nicht ;3)

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    1. Hallo Shirisu und willkommen auf meinem Blog! :)

      Ganz ehrlich, 98% der Anfragen, die ich in den vergangenen Jahren bekam, habe ich sowieso abgelehnt - ob bezahlt oder nicht. Weil es einfach nicht gepasst hat.

      Trotzdem möchte und werde ich mit dieser Entscheidung natürlich meinen hauptberuflich bloggenden Kollegen nicht die Geschäftsgrundlage entziehen. Das sagt mir allein der Blick auf meine Reichweite... :) Ich habe lange genug auf der anderen Seite gestanden und weiß, mit wie viel Mühe und Frust sie sich dieses Standing erarbeitet haben. Ich respektiere ihre harte Arbeit und würde da nicht reingrätschen wollen.

      Es gibt ja mittlerweile Hersteller, Agenturen und Firmen, die sowohl unverbindlich bemustern als auch parallel Advertorials zu vernünftigen Preisen buchen. Da muss man keine Angst haben, dass man anderen die Butter vom Brot bloggt. Jetzt genieße ich erst einmal die völlige Freiheit und schaue, wie sich der Blog entwickelt.

      Lieben Gruß!

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    2. Dankeschön! <3

      Na, ich sag ja auch nichts dagegen, dass es schlimm ist oder so - ich finds halt nur "blöd", wenn die einen dann so richtig aggressiv angehen, nur weil man halt nicht auf solche Preise aus sind, wie die und "denen damit alles kaputt machen" (so die Worte von einem auf Facebook, der öfters sehr "allergisch" bei sowas reagiert.. ^^°).

      Und klar, eigentlich ist doch alles mit Zeit und Mühe verbunden, was einem Spaß macht - manchmal auch Frust, je nachdem, wie man den definiert (zb wenn man keine Reaktionen bekommt).

      Ja, genieß das!
      Mir hat es damals auch sehr geholfen - ich war zwar nie richtig in der "Szene" dabei das haupt- oder nebenberuflich zu machen, aber dennoch hatte man einen gewissen Druck und wollte alle zufrieden stellen, was halt oft einfach nicht geht.

      Und wenn man dann noch andere Hobbies und Co hat, kriegt man das auch schwer unter einen Hut :/

      Liebe Grüße <3

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    3. Schwarze Schafe gibt es immer. Schade, dass du solche Erfahrungen machen musstest. Ich habe den Diskurs bisher immer als sehr konstruktiv erlebt. Ich meide allerdings auch Facebook.... aus den unterschiedlichsten Gründen. Bin da eigentlich nur in meinen Illustrationsgruppen wirklich aktiv. :)

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    4. Ja, da hast du auch recht ;)

      Ich bin auch nicht so aktiv, vor allem in der Gruppe nicht, aber wenn ich mal reingucke, dann seh ich zu 90% immer so einen Post und das verdirbt einem dann doch etwas den Spaß dran und dann guckt man sich das auch nicht weiter an :/

      Aber geht ja auch gut ohn ^^

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  2. Huhu,
    ich finde deinen Beitrag wunderschön. Auch bei mir gab es einiges an Druck und so, den ich mir ausschließlich selbst gemacht habe. Wenn eine Firma auf mich aufmerksam wurde habe ich mich über die blödesten Dinge gefreut die mir geschickt wurden - jedoch hätte man mich gefragt, hätte ich immer 'nein' gesagt (wie ein paar seltene Male geschehen. Weil einfach selten vorher gefragt wurde).

    Ich habe meinen alten Blog aufgegeben, der mittlerweile ein paar hundert Leser am Tag hatte und neu gestartet. Einfach um mich zu befreien und komplett los zu kommen von all dem. Und ich bereue es keine Sekunde, ich habe kein Korsett aus 'passt nicht zum Blog' oder so mehr um, sondern ging beim neuen Projekt mit dem Gedanken daran, dass ich schreibe was ich möchte, wann ich möchte. Um des Schreibens willen, nicht um irgendwem zu gefallen. Und seitdem macht es mir wieder riesig Spaß!

    Also - Kopf hoch, ich freue mich auf DEINE Meinung, frei und losgelöst von allem was vorgegeben oder aufgedrückt wurde. :)

    Lieben Gruß, Anna

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    1. Hallo Anna,
      vielen Dank, das freut mich sehr. Aufgedrückt wurde mir ja nichts. Vorgegeben auch nicht, glücklicherweise. Ich habe lediglich gemerkt, dass die allgemeine Richtung, in die sich vielen entwickelt hat eigentlich gar nicht so recht zu meinen eigenen Zielen und Vorstellungen passen will. Ich unterscheide da (für mich) einfach sehr stark zwischen redaktioneller Arbeit und persönlichkeitsgebundenen Inhalten. Letzteres ist das, was ich hier auf dem Blog eigentlich gerne haben möchte.

      Lieben Gruß,
      Veronika

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  3. Ich kann Deine Entscheidung gut verstehen :)
    Ist zwar nicht so, als ob ich, zu aktiven Blog-Zeiten, viel gerissen hätte (eher nicht so XD weit entfernt vom "Influencer"), aber auch bei mir gab es irgendwann den Knackpunkt zu sagen: Ich brauch das einfach nicht mehr mitmachen. Unbewußt hab ich ständig nach den neuen LEs geschaut, und dann gekuckt, dass ich die Ausbeute schnell auf den Blog bekomme.
    Seit Beginn meiner Ausbildung letztes Jahr haben sich bei mir ebenfalls die Prioritäten verschoben (davon abgesehen, dass ich auch einfach viel weniger Zeit hab). Ich blogge aktuell so gut wie gar nicht mehr. Einerseits schade, weil ich es echt gern gemacht hab. Andererseits auch nicht weiter wild. Ich muss ja niemanden zufrieden stellen, meiner Meinung nach.
    Mir selber nötigt Deine Comic-Wissenschaft-Connection ja sowieso ein Haufen Respekt ab. ^^ Ich bin weder sonderlich wissenschaftlich begabt (schon gar nicht in Naturwissenschaften) und gut malen/zeichnen liegt (leider) auch nicht in meinem Kompetenzbereich *hihi*. Beides mag ich aber total gerne und daher find ich Deine "Nische" total klasse!

    In erster Linie soll so ein Blog ja Spaß machen :) Von daher bin ich gespannt, was es alles in Zukunft bei Dir zu lesen gibt!

    Liebe Grüße
    Marion / Nyxx

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  4. Ich habe gerade vor kurzem an dich gedacht - schön wieder öfters von dir zu hören!

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