Kinderkram // Erziehungsexperten im Supermarkt

Als Elternteil mit Kind im Schlepptau gehört man ja nach Ansicht vieler Mitbürger ebenso zum Allgemeingut wie der Bauch jeder Schwangeren. Vermeintliche Erziehungsexperten lauern an jeder Ecke und sie scheuen nicht davor zurück, einem ihre Expertise - meist gepaart mit kaum verhohlenen Vorwürfen - im Krisenfall an den Kopf zu knallen. Zum Beispiel neulich im Supermarkt.


Mein Kind bekommt einen kapitalen Trotzanfall, weil Süßigkeit yxz nicht im Einkaufswagen landet. Es folgen großes Drama inklusive hysterischem Gekreische, Tränen, Rotz und fliegenden Kinderfäustchen ob dieser Bedürfnisverweigerung. Ich bemühe mich nach Kräften, den Kollateralschaden gering zu halten und es gelingt mir tatsächlich: Waren und Einrichtung bleiben unbeschädigt. Gleichzeitig versuche ich, die noch unerledigten Einkäufe im Kopf zu behalten und das Kind sicher durch seine Sinnkrise zu geleiten. Völlig aufgelöst und heftig schluchzend verlangt der Knirps nach seinem Schnuller. Den kriegt er auch. Das ist unser Deal*. Der Schnuller ist der selbst gewählte Trostspender meines Kindes und wir haben diese tolle Regelung eingeführt: Knapp 5 Minuten lang darf geschnullert werden (Ich stelle meist tatsächlich die Eieruhr oder den Handywecker…) und beim Klingeln gibt der Knirps den Schnuller wieder ab. Klingt eigenartig, aber es funktioniert wunderbar. Er kann sich beruhigen und handelt trotzdem noch innerhalb gewisser Grenzen autonom. Es könnte also alles wunderbar sein, käme da nicht der gezischte Kommentar von schräg links:

"Na, DA hätten sie jetzt aber auch nicht nachgeben brauchen. Der tanzt ihnen ja ganz schön auf der Nase herum, nicht wahr?"

Das sitzt. Mir fällt tatsächlich nichts anderes darauf ein, als wie vom Blitz getroffen dazustehen und nichts zu erwidern. Erst eine halbe Stunde später regt sich der Groll. Eigentlich müssten wir imstande sein, solche verbalen Übergriffe als das zu entlarven, was sie sind: Dummes Geschwätz. Nichts weiter. Leider befinden wir uns derart bedrängt meistens in einer Situation, die uns fordert und emotional belastet und leider treffen diese kleinen, beiläufigen Bemerkungen dann auch noch ungefiltert mitten ins Herz. Ich kenne Eltern mit wundervollen Kindern und einem bemerkenswerten Erziehungsstil, die sich nach solchen Begegnungen getroffen und verunsichert fragen, ob sie denn nicht doch irgend etwas hätten besser machen können. Das macht mich jedes mal stinkwütend.

Von kleinen Spitzen bis hin zu aggressiven Verbalattacken gibt es im Grunde nichts, was sich Eltern in meinem Bekanntenkreis nicht schon (ungefragt) anhören mussten. Fällt das Kind anderen unangenehm auf, gilt es, möglichst schnell und wenig konstruktiv auf den Kern des Problems hinzuweisen: die umfassende Inkompetenz des anwesenden Elternteils. Immer. Was für ein vernichtendes Urteil, gewonnen aus einem nicht mal minutenlangen Einblick in eine Eltern-Kind-Situation.

Interessant ist hierbei, dass fast ausschließlich Müttern angegangen werden. Zumindest, wenn ich auf die Erfahrungen der jungen Eltern in meinem Bekanntenkreis zurückblicke. An Väter mit Kindern scheint man sich noch nicht so recht heranzutrauen. Woran das wohl liegen mag?

Während ich mich also frage, ob wir das denn tatsächlich hinnehmen müssen, versuche ich mir gleichzeitig eine Strategie zurechtzulegen, den selbsternannten Erziehungsexperten im öffentlichen Raum nachhaltig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bisher mit leidlichem Erfolg. Vielleicht habt ihr ja Lust, eure Erfahrungen und eure Reaktionen in solchen Situationen mit uns zu teilen?


*Der Schnuller-Deal stammt von einer guten Freundin - ihres Zeichens Heilpädagogin mit zwei Kleinkindern - mit der ich mich häufig treffe. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, die nervigen Alltagsgeschichten ebenso wie die Tricks und Kniffe austauschen zu können. Da wird mit Sicherheit noch das ein oder andere spannende Thema für die Kolumne "Kinderkram" auf den Tisch kommen.


Kommentare:

  1. Kenn ich...
    Mein Mann kriegt in solchen Situationen dann eher mitleidige Blicke, so nachdem Motto: der arme Mann kann's ja auch nicht besser können. (Und muss jetzt auch noch ausbaden was seine Frau nicht gescheit hinkriegt mit der Erziehung)
    Da kann man nur lächeln und winken, lächeln und winken, lächeln und winken,...
    Liebe Grüße und gute Nerven!

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    1. "Womöglich muss er auch nur ausbaden, dass sie eiskalt ihre Karrierepläne umsetzt." Habe ich in ähnlicher Form auch schon zu hören bekommen. Ich übe also vorerst das Lächeln und Winken.

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  2. Mein Sohn kriegt ab und an auch seine Anfälle und bei mir ist es eher so, dass mir andere Mütter/Frauen/Grossmütter/Verkäuferin Mut zu sprechen und erzählen, was ihnen mit ihren Kindern schon alles geschehen ist. Und der O-Ton ist meistens, Augen zu und durch :)
    Die Frau (45) an der Kasse nach mir, hat erzählt, dass sie als Kind selber einen Tobsuchtanfall hatte. Da kam eine ältere Frau, hat ihr eine gescheuert und ihrer Mutter die Leviten gelesen. Da blieb mir für einen kurzen Moment der Mund offen stehen... Da lass ich mir lieber ein paar Blicke gefallen ;)

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  3. leider vergessen die meisten leute das sie selber auch mal kind waren - ich frag mich immer, ob die leute sich selbst rückblickend als ultrabraves kind visualisieren das nie geschrieen und aufgemuckt hat. wenn ich mit meiner kleinen tochter ob deren lebhaftigkeit mal blöd angeguckt werde (wie zuletzt in der albertina von einer älteren frau) muss ich der person leider immer was sagen. da kann ich mich (im gegensatz zu meinem freund) entsetzlich schlecht zurückhalten.

    liebe grüße

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    1. Das ist doch super. Ein wenig Offensivität in die andere Richtung schadet bestimmt nicht. :)

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    2. @wicked ye-ye:
      Ich denke nicht, dass diese Leute sich selbst als braves Kind sehen. Die waren bestimmt auch ungezogen, sind aber durch Ohrfeigen etc. "gute" Erwachsene geworden und geben das jetzt an die folgenden Generationen weiter :/

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  4. manchmal weiß ich nicht, was ich anstrengender finde: die ratschläge kinderloser oder die derjenigen eltern, die mit erziehungsratgeber unter dem kopfkissen schlafen. mag ja sicherlich gute ansätze geben in diesen ratgebern, aber wenn dann jede situation vor der folie des entsprechenden konzeptes analysiert wird. aaah!

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    1. Och, ich könnte auf beides verzichten. Ratschläge von Kinderlosen - sofern sie nicht einen Abschluss auf diesem Gebiet vorweisen können oder sich regelmäßig mit einem Kind in ähnlichem Alter auseinandersetzen - sind imho einfach unangebracht.

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  5. Ich hab mir in solchen Fällen was angewöhnt - ich bin ja nun (noch) nicht die mit Kind, sondern die Genervte, und somit bekommen die Kinder (!) von mir Ärger. (Selbstverständlich nur, wenn es zu extrem wird... wegen eines trotzigen Kindes lasse ich mich noch nicht zu Kommentaren hinreißen.) Meistens hilft das den Eltern - dann sind sie nämlich nicht mehr die einzigen, die sozialen Druck ausüben - sondern zeigt den Kiddies, dass eben auch andere Anteil an ihrem Verhalten nehmen.
    Ich käme aber nicht auf die Idee, die Eltern anzupöbeln, da müssen die sich schon extrem gehen lassen (gibt's hier leider auch - mein Stadtteil ist sozial eher...schwach), aber damit ist ihnen ja auch nicht geholfen. Also wieder zum ersteren, lieber dem Kind sagen, wenn's nervt...

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    1. Find' ich gut und bringt meiner Erfahrung nach auch meistens mehr, als die tausendste Ermahnung seitens der Eltern. Wobei man da auch auf einer dünnen Klinge tanzt. Nicht jeder kann damit umgehen, wenn das eigene Kind von fremden ermahnt wird. Ach, schwierig.

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    2. Ich hab bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Letztlich ermahne ich aber nur bei wirklich, wirklich störenden Dingen. Also wenn ein Kind sein kleines Geschwisterchen triezt, würde ich's nicht machen. Regale im Supermarkt umwerfen, würde mich schon dazu bringen. Bei ersterem könnte ich's schon verstehen, dass sich Eltern daran stören, wenn sich dann Fremde einschalten. :D
      Ist aber wirklich schwierig, man weiß ja selbst auch nie, ob die Kinder nicht einfach grade einen super schlechten Tag haben (oder man selbst). Fürchte, man muss sich da auch einfach ein dickes Fell wachsen lassen...

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    3. Ganz ehrlich, ich finde es gar nicht so schlecht, wenn Fremde meinen Sohn direkt ansprechen. Das macht meist viel mehr Eindruck und ist wirkungsvoller... aber es hängt natürlich schon sehr davon ab, wie und in welchem Zusammenhang etwas gesagt wird.

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    4. Ist mir letztens auch passiert. Meine Tochter (2) wollte nicht weiter gehen und da meinte eine Frau sie solle mit ihr mit gehen sie hätte Hunde und Katzen. So schnell ist sie noch nie zu mir gelaufen. Und die Frau meinte nur "Sehen Sie sie kann ja doch hören, wird irgendwann besser keine Angst" Fand ich sehr nett von ihr.

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    5. Tolle Reaktion von der Dame. Schön zu hören, dass es auch anders geht.

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  6. Meine Tochter ist zwar noch so klein, dass wir eher die netten "Wie niedlich!" Kommentare abbekommen, aber als Erzieher und Onkel bin ich ja auch mal mit Kindern unterwegs ... und ich kann das nur bestätigen:
    An Männer traut man sich scheinbar weniger ran.
    Warum das so ist? Da kann man ja nur mutmaßen und es wird sicherlich das noch immer starre Männer/Frauen-Bild sein, das unsere Gesellschaft nur schwer los wird.
    "Wie soll ein Mann auch wissen, wie man mit Kindern umgeht? Ist ja die Aufgabe der Frau!"

    Ich finde aber auch, man sollte den Aspekt "Dinge haben zu funktionieren!" nicht unterschätzen. Ich will jetzt nicht sagen, dass das eine typisch deutsche Eigenschaft ist, aber der Deutsche an sich, fühlt sich ja oft gestört, wenn ihm was nicht passt oder "nicht so gehört". Da sind Kinder eine gute Zielscheibe. Und weil die ja nichts dafür können, sind es dann ja sehr offensichtlich die Mütter, die den Fehler machen.

    PS: Schöne neue Kolumne. Sowas wird allgemein viel zu wenig angesprochen. Ich harre der Dinge, die da noch kommen werden. ;)

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    1. Das stimmt. Kinder "stören" den reibungslosen öffentlichen Ablauf. Während man als Elternteil ziemlich schnell spitz kriegt, dass das nunmal so ist und man sich bestenfalls versuchen kann darauf einzustellen, gerät die Welt des "Normalbürgers" viel leichter aus den Fugen.

      Mich "stören" Kinder auch manchmal. Nur würde ich im Leben nicht darauf kommen, mich derart einzumischen.

      Danke. Ich habe bereits einiges auf dem Dashboard. Fehlt nur noch die Zeit, es "rund" zu machen. ^___^

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  7. Ich glaube, Männer werden nicht angegangen, weil sie ja erst in die Väterrolle hineinwachsen müssen, während Frauen anscheinend schon als potenzielle gute Mütter auf die Welt kommen. Dass die das auch erst lernen müssen, hat sich in tausenden Jahren immer noch nicht herumgesprochen.

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  8. Ha! Mein aktuelles Thema. Mich hat ein Vater blöd angequatscht beim Einkaufen bei dm (!). Ging um Babynahrung. Ich hatte Gläschen gekauft. Teuflisch von mir! Nach einem kurzen versöhnlichen Moment habe ich ihm beschieden, mein Einkauf ginge ihn eigentlich einen Scheißdreck an. Tja. Benimm ist nicht meine Zier. Habe das Ganze dann verbloggt, um Dampf abzulassen. Da ging es mir prompt besser.

    (Will jetzt nicht frech nen Link posten, wer möchte, kann ja bei Interesse auf den Usernamen klicken).

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    1. Hallo, ich habe deinen Beitrag gelesen und bin ein wenig Fassungslos. Wie herablassend und selbstgerecht kann man eigentlich sein? Mein Widerstand gegen garstiges Zurückraunzen bröckelt mit jeder Anekdote, die ich zu hören kriege.

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  9. Och, da gibt es nur einen Weg: Augen/Ohren zu und durch :D
    Ich hab' meinen beiden Kindern diese Anfälle, die mir selbst irrsinnig auf den Keks gingen, mit einer radikalen Methode abgewöhnt. Als sie einmal kreischend und strampelnd im Supermarkt herumtrotzten und plärrten, weil ich böse Mutter auch mal wieder nicht so wollte wie sie, habe ich mich einfach genau so benommen und herumgequarrt. Gut, die Leute guckten dann ein bißchen blöd, als ich mich auf dem Boden herumwälzte und zeterte, aber es hat gewirkt. Meine Kinder (beide damals im Kindergartenalter) standen sofort auf und es herrschte Ruhe. Seitdem hatte ich nie wieder Probleme mit Gequengel im Supermarkt.

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    1. Respekt! Wenn ich mal den Mumm dazu aufbringe so etwas durchzuziehen, lasse ich euch das auf jeden Fall wissen.

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  10. Das gleiche Phänomen hab ich auch bei Hundebesitzern gesehen: Man geht mit nem jungen Hund durch die Stadt und schon bist du umschwärmt von Leuten, die unbedingt "streicheln/anfassen wollen" oder Klugscheißern, die dich in der Erziehung/Handhabung/Fütterung verbessern. Kleinkinder scheinen diese persönliche Grenze zwischen Menschen auch spontan zum Einsturz zu bringen.

    Ich tendiere dazu, quängelnde Kinder in der Öffentlichkeit einfach zu ignorieren. Den Eltern ist es meistens schon unangenehm genug, aber sie müssen ja auch mal einkaufen gehen oder mit der U-Bahn fahren. Was mich jedoch hin und wieder beschäftigt, ist, was ich machen sollte, wenn ich sehe, dass ein Elternteil sein Kind "schlägt". Nicht im Sinne von zusammenschlagen, sondern eher einen festen Klapps, wenn das Kind sich völlig daneben benimmt. Hab ich Gott sei Dank noch nicht gesehen, aber das hab ich mich mal gefragt... Ignorieren oder anpampen? Ab wann ist es noch "schlechte Erziehungsmethode" und schon ein Fall für die Polizei? Vielleicht hast du darauf eine Antwort?

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    1. Das ist ein sehr heikles Thema, auf das ich mir auch noch keinen befriedigenden Reim machen konnte. Im Grunde gilt für mich: Schlagen sollte niemals ein probates Erziehungsmittel sein, denn was vermittelt man seinem Kind damit und was löst man in ihm aus? Schlagen ist eine Form von Gewalt. Der ultimative Vertrauensbruch und eine Erniedrigung.

      Es kann durchaus passieren, dass Eltern vor Wut und Überforderung die berühmte Hand ausrutscht. Das ist schon schlimm genug. Wer früher selbst einstecken musste, ist imho zudem viel anfälliger dafür, selber die Beherrschung dahingehend zu verlieren. Meistens fühlen sich beide danach hundsmiserabel: Kind und Elternteil. Also ist es vermutlich wenig konstruktiv, in so einem Fall "einzuschreiten".

      Dann gibt es da noch diejenigen, die einen "Klapps" als durchaus angebracht bewerten. Hat ja früher auch jeder gemacht. Wo zieht man da die Grenze?

      Ich glaube, der Polizei sind in diesen Angelegenheiten auch die Hände gebunden, so lange das Wohl des Kindes nicht gefährdet ist. Aber da bin ich kein Experte.

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    2. Ich gebe jetzt ganz ehrlich zu, dass ich dieses Mittel nutze, zwar selten, aber ich tus. Mein Sohn steigert sich manchmal total in etwas hinein, das völlig lächerlich ist. Beispiel: wir gehen zu Fuss zum Supermarkt (5min) statt mit dem Auto. Er bringt es dann fertig, 45min einfach zu weinen, schreien etc. und lässt sich mit nichts ablenken und bestechen möchte ich ihn auch nicht.
      Wenn normales Ermahnen nichts nützt, warne ich ihn zweimal vor, dass es einen Klaps gibt, wenn er so weitermacht. Beim dritten Mal tu ich es dann. Kurz und kontrolliert. Danach sage ich, dass es mir auch leid- und wehtut. Der "Schock" bricht sein Geheulkreislauf und er kann sich wieder beruhigen.
      Er ist weiss genau, was mit "Klaps" gemeint ist und wie weit er gehen muss/kann. Daher finde ich es als letztes Mittel in Ordnung, solange das Kind fähig ist, Aktion/Reaktion zu verstehen (und es nicht zur Regel wird). Ich bin absolut nicht dafür, dass man Kinder schlägt und auch zwei Klapse finde ich zu viel. Aber auch das Betragen hat seine Grenzen.

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    3. @shadowlessPhoenix danke für deine Offenheit. Ich kann nur von meinem Kind ausgehen und bei ihm bin ich mir ziemlich sicher, dass er diesen Zusammenhang nicht verstehen würde. Gar nicht verstehen kann.

      Diese hysterischen Anfälle kenne ich sehr gut. Und es gibt kein Patentrezept. Irgendwie ist das ja auch eine sehr schwierige Zeit für die Knirpse. Ich habe ein paar Standarreaktionen, die ich durchprobiere. Irgendwas davon klappt dann früher oder später auch und zwei Sekunden später ist der ganze Ärger vergessen. Das ist zwar auch zermürbend, aber für uns beide die bessere Alternative.

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  11. Entschuldige, der letzte Kommentar war von mir, da ich nicht wusst, wie ich hier kommentieren kann, habe ich mich mit dem originellen Name Mettwurst angemeldet und nun scheint es zu klappen...naja egal ;)
    Ich bin auch Mama und kenne das.
    (Habe eben schon zweimal Kommentare geschrieben und es ging nicht, deswegen nun kurz.) Nachdem ich mich oft schlecht fühlte wegen solcher Ansprachen fremder Menschen (ich kann auch ohne Kind unterwegs sein, wurde auch schon mal, weil ich mich geringfügig vordrängelte (also "vorging") als blöde Kuh beschimpft etc...), habe ich es mir zur Regel gemacht an diesen Menschen meine Schlagfertigkeit zu trainieren. Sprich, es fing an mit einem patzigen "Dann erziehen Sie ihn doch" und nun bin ich schon bei folgendem (letztens sagte ein Mann zu mir, während mein Kind sich gerade auf den kalten Winterboden setzte, er ist übrigens 5, also schon ganz verständig): "Ich würde mich nicht auf den Boden setzen, es ist kalt!" "Ich sitze ja auch garnicht auf dem Boden"....zuhause spinne ich das gerne aus und freue mich boshaft ;), so zb wäre auch angebracht gewesen (tröstender Tonfall): "Sie müssen sich auch gar nicht hinsetzen, das sagt doch niemand!" etc. Ich empfehle hier auch "Muttergefühle. Gesamtausgabe", da beschreibt die Autorin genau diese Situs und legt sich und uns ;) Schlagfertiges als Konter parat....seeehr lustig.
    Das mit dem Schlagen sehe ich genau wie du und finde nicht, dass das ein Mittel ist, vielmehr denke ich, es "kontrolliert" einzusetzen, sogar grausam. Zudem es nur aussagt, dass man selber nicht kontrolliert ist und nicht bei sich bleibt.
    LG, L.

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    1. Danke, dass du dir so viel Mühe gegeben und noch einmal kommentiert hast. Die Kommentare sind moderiert, damit ich keinen verpasse. Das heißt, dass sie erst dann hier unter dem Beitrag erscheinen, wenn ich sie freigeschaltet habe.

      Das Buch klingt spannend. Ich stelle es mir schwierig vor, den Leuten so einen Spiegel vorzuhalten. Aber das kann man üben. Ich werde es mir definitiv zulegen. Bin schon sehr neugierig!

      Mit dem Kontrollverlust sprichst du einen sehr wichtigen Punkt an. Ich bin sicher, dass jeder von uns Situationen kennt, in denen er sich nicht mehr abgrenzen kann und durchlässig wird. Wir sind zwar erwachsen und sollten es besser wissen, aber wir sind eben auch nur Menschen. Da muss man Strategien erproben, die in solchen Situationen greifen und den Kontrollverlust "umleiten" können.

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  12. Ich finde nicht, dass Menschen das Recht haben, sich einfach in die Erziehung einer unbekannten Frau einzumischen. Wäre man selber in der Situation würde man die doch bestimmt auch nicht wollen. Die Geschichten weiter oben sind ja noch schöner, einem Kind vor versammelter Mannschaft eine zu scheuern, was ist nur los,frage ich mich nur. Sowas kennt doch jeder, dass das Kind mal etwas nicht bekommt..
    Grüße von der Seiser Alm :-)

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  13. Ich nochmal! Ich möchte auch betonen, dass ich natürlich nicht immer entspannt bin mit meinem Kind.
    Dazu ist einem das alles viel zu nah und man fühlt ja auch mit und will das Weinen "abstellen". Mir ist passiert es zB (noch immer) zu oft, dass ich meine Stimme erhebe (das kann ja auch auf ein Kind gewaltig/furchteinflößend wirken.
    Jedoch erinnere ich mich selber noch daran (ich bekam zwei dreimal als Kind eine so genannte Ohrfeige), dass mir die Hand meiner Mutter trotzdem es wohl eher ein Klapps war, noch Stunden später im Gesicht brannte, ich zutiefst beschämt, ängstlich war und nicht damit umgehen konnte, dass auch meine Mutter sogleich voller Beschämung eine Entschuldigung aussprach. Völlig furchtbar, die Demütigung, das sich Versöhnensollen, das Verzeihen möchten, der Vertrauensverlust. Ich möchte das auf garkeinen Fall für meinen Sohn und hoffe sehr, dass mir das niemals passieren wird.
    Auch verbale Manipulationen jeder Art lehne ich ab. Ein Trösterchen hier oder da, mal etwas überspitzt nachahmen, Ablenkungsmanöver, das Kind mit "Verantwortung" beschäftigen sowas probiere ich aus, mal klappt es besser, mal schlechter. Manchmal gehe ich raus, manchmal, als er kleiner war, habe ich ihn auch in sein Kinderzimmer getragen und bin rausgegangen, bis ich ruhiger war. Und ab und zu motze ich halt rum. Und denke danach: Du Wurst, du hast nicht gemerkt, wann es dir zuviel wurde.
    Darum geht es ja auch meist, wenn wir andere, Erwachsene kritisieren....also um uns.
    Schön finde ich in diesem Zusammenhang auch immer wieder Jesper Juul. Und mir sagte mal jemand, das klappt auch für mich gut, wenn ich ungeduldig bin: Dem Kind sagen, wie es einem geht. Auch sagen, dass das Kind damit nichts zu tun hat (wenn man zB nach der Abreit gereizt ist). Dem Kind sagen, was man jetzt braucht/machen wird. Ggf sagen, wann es einem wieder besser geht. Sich entschuldigen, wenn man ungerecht war. Ich glaube Kinder können Stress ertragen, sie müssen aber genau wissen, wenn/dass sie nicht immer daran "beteiligt"/schön sind. Hört sich jetzt nach Heiligenschein an, aber gerade heute morgen nachdem die neuen Wollsocken wegen zu groß kritisiert wurden, habe ich auch nicht gerade geduldig reagiert ("Dann mecker halt, aber nicht in der Küche, ich will jetzt frühstückÄÄÄÄn!") ;)

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    1. Schöne Gedanken, ich kann dir nur zustimmen.

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  14. Ging grad leider schon wieder nicht...schade. Klar kann man sich nicht immer abgrenzen und ich werde zB mMn zu oft zu laut (kann auch furchteinflößend sein).
    Für mich waren aber einige wenige Ohrfeigen als Kind das Furchtbarste, Demütigendste, das ich erlebt habe - auch wenn es nicht doll und ein Klapps war.
    Und für mich logisch: Ich haue auch Erwachsene nicht, warum sollte ich es dann GERADE einem Schwächeren antun? Der zudem noch lernt, dass man reden soll?
    Strategien, die ich oft anwende: ablenken und Kind mit Verantwortung zupacken (zB beim Einkauf: Hol mal...). Ansonsten versuche ich trotz ätzender Blicke auch konsequent zu sein (schweeeeer), das weiß mein Kind mittlerweile.
    Ich weiß nicht, ob ich Mitmenschen den Spiegel vorhalte, aber es genügt mir im Moment nicht immer alles runterzuschlucken....denn das macht Frust. Gelingt mir natürlich noch selten.
    Lesbar finde ich auch vieles von Jesper Juul, kennste aber bestimmt. Ist aber meist ernsthaft ;).
    Heute morgen bin ich übrigens nicht ruhig geblieben.....leidiges Thema Klamottendiskussion....wie alt ist denn dein Kind?
    Und im Moment aktuell: Wie soll sich mein Kind im Kindergarten gegen Prügler ;) zur Wehr setzen? Ich sagte immer: Zurückhauen ist nicht ok, aber irgendwie gibt es ja auch Notwehr und das "Verhindern von Gewalt" ....sehrsehrschwierig.... LG

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    1. Hallo, die Kommentare erscheinen immer zuerst für alle unsichtbar in meinem privaten Dashboard. Erst wenn ich sie freischalte, werden sie auch für alle anderen sichtbar. Es funktioniert also alles super, dauert nur manchmal ein bisschen, weil ich nicht alles sofort lesen und freischalten kann.

      Ich habe das für Posts, die älter als 24 Stunden sind, so eingestellt, damit ich keine wichtigen Kommentare verpasse und zeitnah reagieren/antworten kann. Also alles super. :)

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  15. Nee, war nur verwirrend, weil mal war es einfach weg, mal erschien mein "Name" etc, da war ich dann unsicher. Schön, dass es da ist, wenn auch teilweise doppelt. Bin übrigens über eine Verlinkung wegen Beauty zu dir gekommen, (obwohl ich dich auch vorher schon mal gelesen habe) und bin positiv überrascht, hier auch solche Themen zu lesen! :) (nicht dass das Andere nicht auch schön ist... ;)

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    1. Ja, der Blog öffnet sich thematisch, was auch die Verschiebung meiner Interessen widerspiegelt, die sich zwangsläufig ergeben, wenn sich die Lebensumstände so "drastisch" ändern. :) Schön, dass es dir gefällt.

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  16. Ach, wie herrlich und du zeichnest ja! Habe gerade deine Comics und das Baumbild plus Rilkegedicht entdeckt. Ich zeichne auch sehr gern, allerdings eher "privat". Wenn ich mal fragen darf, zeichnest du alles "zu Fuß" oder an diesen Computermalboards? Mein Freund hat das...scheue irgendwie daran zu zeichnen. Na gut, gute Nacht ;)

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    1. Ich kombiniere beides. Die Comics zeichne ich z.B. von Hand mit Bleistift und koloriere sie nach dem Scannen am Computer. Viele Illustrationen erstelle ich mittlerweile komplett digital, weil es einfach die effizienteste und flexibelste Methode ist.

      Ich arbeite mit einem WACOM Intuos Tablet und komme damit mittlerweile sehr gut zurecht. Man braucht allerdings Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

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  17. Ohje, da musste ich letztens auch eine schlimme Erfahrung machen. Meine Tochter (4 Monate) hatte auf dem Weg nach Hause am Bahnhof sehr schlimm angefangen zu schreien, liess sich nicht beruhigen, obwohl ich für sie sang etc. - was man halt so macht und normalerweise auch immer funktioniert, aber sie war zu aufgewühlt vom stressigen Tag. Ich war sowieso schon verzweifelt, es tat mir ja im Herzen weh. Da kam eine Frau auf mich zu, sagte "sie hat vielleicht Hunger", was ich eh schon daneben fand. (Zur Info: Sie wurde zehn Minuten vorher gestillt und ich wusste ja, dass es nicht am Hunger lag.)
    So, Baby brüllte weiter, also wollten wir uns einen ruhigeren Ort suchen, damit ich sie dort besser beruhigen konnte. Da folgte uns die Frau von eben doch tatsächlich in den Aufzug und forderte mich ständig auf, ihr das Kind zu geben, sie könne es beruhigen... Schliesslich sei das ja nicht normal und sie hätte auch ein Kind. Mein Freund bat sie mehrmals, uns in Ruhe zu lassen. Naja, Ende der Geschichte: Sie wollte dann tatsächlich die Polizei rufen, weil es ja nicht normal sei, dass ein Baby so schreie. Ein Polizist, den sie dann ansprach, konnte ihr dann aber klar machen, dass sie uns endlich nach Hause gehen lassen solle.
    Dort schlief meine Tochter dann auch ein. Es war einfach alles zu stressig gewesen für sie - die Frau hat es natürlich auch nicht gerade besser gemacht.

    Besonders frech finde ich daran, dass die Leute sich das meistens nur trauen, weil ich halt noch jung bin (22 Jahre) und wahrscheinlich eher noch jünger aussehe. Das macht mich aber nicht zur schlechten Mutter. Schrecklich, wie sie einem da gleich in die Schublade "asoziale Teenie-Mutter, die eh keine Ahnung hat", stecken.
    Und es beschäftigt einen tatsächlich noch sehr lange.

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    1. Ich fasse es nicht, wie man so dreist sein kann! Für diese Dame hätte ich deutliche Worte gefunden. Dass sie sich erst von einem Polizisten davon abbringen lässt euch zu belästigen ist ja noch der Gipfel der Selbstüberschätzung, Voreingenommenheit und Ignoranz. Das zu lesen macht mich gerade sehr wütend. Ich hoffe, ihr habt diese unverfrorene Grenzüberschreitung mittlerweile gut verarbeitet.

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    2. Ich muss zugeben, es hat mich noch ein paar Tage später sehr beschäftigt und der Schock war echt da. Für mich ist es schon schlimm genug, wenn meine Tochter so weint, ich bin da sehr sensibel und fühle mich schrecklich, aber wenn man dann noch von einer wildfremden Person quasi als jemand dargestellt wird, der sein Kind misshandelt, tut das echt weh. Auch wenn ich ja weiss, dass es völlig aus der Luft gegriffen ist.
      Vielen Dank für deine Antwort, inzwischen habe ich es zum Glück aus meinen Gedanken streichen können. :)

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