Wie kommt die Farbe auf das Bild? - Teil 1

Die letzten Wochen hindurch habe ich mich intensiv mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt eine Zeichnung digital zu kolorieren. Dabei habe ich besonders nach einer "Technik" gesucht, mit der ich einen "realistischen" Look erreichen kann und die meinen Zeichenstil unterstreicht aber gleichzeitig mit einem überschaubaren und planbaren Zeitaufwand zu bewerkstelligen ist. Verkünsteln kann man sich immer - sollte man aber vermeiden, wenn man nur ein begrenztes (Zeit)budget/Illustration hat.
Vielleicht ist ja für den ein oder anderen noch etwas Neues dabei. Los geht's:

During the past weeks I was researching different styles of digital coloration, always on the look for something which could help me achieve a somewhat "handmade" feel and would go well with my style of drawing. Seems like I've found a technique, which works for me so I thought I'd show you guys. Maybe there's something in here to help some of you out. Off we go:



1.  Scannen (Graustufen, 300 - 400 dpi) und Bearbeiten der Bleistiftzeichnung mittels Tonwertkorrektur, Abwedeln und Nachbelichten; Ziel ist es, die Striche dunkler bzw. definierter zu gestalten und den Hintergrund nach Möglichkeit aufzuhellen bzw. von allem zu bereinigen, was mich stört


2.  Mit dem Bleistift-Werkzeug "koloriere" ich das Bild in unterschiedlichen Grautönen; hierbei versuche ich ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen; ich orientiere mich grob daran, daß helle Stellen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wohingegen dunklere Stellen die Komposition vervollständigen


3.   Durch zusätzliche "Schattierung" der unterschiedlichen Grauflächen verleihe ich den Bildelementen Tiefe und Lebendigkeit; hierbei achte ich nicht auf Licht- und Schattenwurf oder ähnliche Vorgaben, es soll gut aussehen; Was richtig aussieht, ist auch richtig ;D

4.   weitere Korrekturen (Tonwertkorrektur, Gradationskurve, Kontrast etc.), bis ich mit der Wirkung zufrieden bin

5.   Ich wandle das Bild in RGB um und gebe über den Menüpunkt Bild >> Einstellen >> Variationen ein grobes Farbschema vor; hier kann ich verschiedene Farbanteile beimischen, bis mir das Ergebnis gefällt


6.   mit dem polygonalen Auswahlwerkzeug wähle ich nun die einzelnen Farbflächen an, die ich andersfarbig gestalten möchte; ich nutze dafür alle Einstellungen queerbeet wie z.B. Variationen, Tonwertkorrektur, Gradationskurven, Farbbalance, Farbton, Sättigung usw.


Das war's erstmal für heute. Ich habe hier noch eine Liste von Künstlern zusammengestellt, die wirklich tolle und inspirierende Galerien haben, in denen ich schon auf das ein oder andere nützliche Tutorial gestoßen bin:

Please do take the time and check out these amazing artists. They have a lot of inspiring work online and some do very useful tutorials as well:


Kommentare:

  1. Warum malst du das Bild erst grau an? :-)

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  2. Darf ich sagen, dass mir im bunten Bild die Treppe fehlt? Das hat jetzt nichts mit dem zu tun, was du zur Technik geschrieben hast, sondern lediglich mit meiner Beobachtung, dass Bunte Bilder oftmals die Leichtigkeit einer Skizze verlieren. Weißt du was ich meine? Anstatt von der Dynamik der Striche und Linien, hat man es mit Flächen zu tun. Dadurch wirken die Bilder statischer. Das fände ich in deinem Fall besonders schade, weil dein Zeichenstil sich auch in der Endversion den Charme einer Skizze bewahrt. Bei der Frauenfigur hast due es ganz gut hinbekommen, finde ich. Da ist ein Licht und Schatten Spiel am Kleid, da sind noch viele "freie" Linien wie die Musterung des Stoffes, die Ellbogen, Wangenröte usw. Aber im Hintergrund fehlt mir persönlich etwas.
    Aber abgesehen davon, finde ich die Farbgebung supi. Schöne Farbauswahl, wundervoll simpel auf drei Grundfarben beschränkt. Da stehe ich drouf!

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  3. Gestern erst (oder vorgestern) dachte ich noch dass deine Zeichnungen irgendwie total von Betteo inspiriert aussehen (absolut im positiven Sinne) :D Er gehört auf jeden Fall auch zu meinen Vorbildern.

    Aber super, dass du hier so passend über Bleistiftoutlines schreibst. Ich hab bei meinem Comic jetzt erstmalig (für mich zumindest) einen Mix aus Bleistift-Hintergründen und Fineliner-Vordergründen und hab mich schon die ganze Zeit gefragt, wie man Bleistift eigentlich vernünftig bearbeitet, nach dem Scannen. Gibts da vielleicht noch mehr Insider-Infos? Was kann ich zum Beispiel tun, wenn das Papier nicht ganz weiß ist nach dem Scannen, aber wenn ich am Kontrast oder an der Gradiationskurve rumdrehe wird der Bleistift irgendwie körnig?

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  4. @Raine: Gute Frage!

    1. So kann ich mich voll und ganz auf die Komposition konzentrieren.

    2. Wenn ich erst in Graustufen arbeite und das Bild nachträglich einfärbe, wirkt alles viel harmonischer.

    3. Ich bin um einiges schneller & produziere ein besserer Ergebnis. Und in meinem Job ist Zeit ja bekanntlich Geld ;D

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  5. @Paint: Fear not, die Treppe wird in einem späteren Stadium des Arbeitsprozesses ihr Comeback feiern, wenn es um Struktur und Texturen geht. Vielen Dank für das ausführliche Feedback & Lob! #^__^#

    @Klee: Seufz, Betteo ist Gott und der Weg dahin lang und steinig... :D

    Also erstmal habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, daß meine Bleistiftzeichnungen richtig gut rauskommen, wenn sie mit 400 dpi/Graustufen gescannt werden.

    Gradationskurven benutze ich nie für meine Outlines, weil sie mir zu wenig Kontrolle liefern. Kontrast ist mir auch zu grob. Ich arbeite tatsächlich hauptsächlich mit der Tonwertkorrektur und mit den Werkzeugen "Abwedeln" und "Nachbelichten", wobei ich bei allen dreien empfehlen würde, einfach etwas mit den Einstellungen herumzuspielen.

    toi, toi, toi ♥

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  6. Ich muss hierzu mal sagen, dass ich finde, dass Deine Illustrationen allesamt so eine, wie soll ich es nennen? Französische Leichtigkeit und Unschwere haben, was ich halt sehr sehr positiv finde. Also ich werde Deine Technik mal ausprobieren, ich finde zumindest, dass sich das sehr vernünftig anhört, auch wenn ich mit den Hilfsmitteln so nie hingekommen wäre :D

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  7. @Yade: Danke. Das liegt wohl daran, daß ich fast ausschließlich französische und südamerikanische Künstler "verfolge". Dieser Stil gefällt und liegt mir.

    Aber hier in Deutschland ist der Stil leider wenig gefragt. Bei Eigenproduktionen setzen viele Verlage leider immer noch auf 0815-Süß-aber-ohne-Kanten und kochen lieber Altbewährtes nochmal auf, bevor sie sich in ein Wagnis stürzen.

    Macht nichts, ich kann warten und meine Zeit wird kommen.... Yarrharrharrr! *__*'

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  8. Danke fürs' sharen :-D
    Schöne Sache und auch interessante Herangehensweise!

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  9. @Frau Kirschvogel: Mh, ich glaube, ich probier das einfach mal mit dem Grau-malen aus. :-)

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  10. @Queen Mob: Sehr gerne :D

    @Raine: Am Anfang ist es echt schräg, aber irgendwann kommt man auf den Trichter und möchte garnicht mehr anders arbeiten.

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